Nominierung_Frisier-Zone
HwK Südwestfalen

Eine Chance für alle in Bad Berleburg

"Integration ist für mich praktizierte Nächstenliebe und konkrete Tat." Diese Einstellung lebt Friseurmeisterin Marina Marchel jeden Tag in der Frisier-Zone. In ihrem Salon in Bad Berleburg gibt sie Flüchtlingen und Spätaussiedlern eine berufliche Perspektive.

Dieses Engagement brachte ihr jetzt die Nominierung zum Ausbildungspreis des südwestfälischen Handwerks in der Kategorie "Soziale Verantwortung und gesellschaftliches Engagement". Der Preis ist mit 2000 Euro dotiert, die die Sparkassen in Südwestfalen gestiftet haben.



Mit gutem Beispiel vorangehen

Marchel selbst weiß, wie es ist, in einem fremden Land Fuß zu fassen: 1981 in Kasachstan geboren, kam sie als 15-Jährige nach Deutschland. Nach unterschiedlichen Stationen – darunter eine Ausbildung zur Friseurin in Meschede - wurde sie in Bad Berleburg sesshaft. Hier übernahm sie 2013 die Frisier-Zone mit heute sieben Mitarbeitern.

Integration läuft für die engagierte Chefin vor allem über die deutsche Sprache und den Beruf. So hat sie den aus dem Iran geflohenen Herren-Friseur Rashid Alizade eingestellt und ihn auf die Anforderungen des deutschen Arbeitsmarktes vorbereitet, ihm außerdem bei Behördengängen geholfen sowie ihn, soweit möglich, die deutsche Sprache gelehrt.
Daneben schult Marchel seit August letzten Jahres die 39-jährige Kasachin Tatjana Schafiew, die seit 2016 in Deutschland lebt, zur Friseurin um. Und auch die aus Kaliningrad übergesiedelte Halb-Koreanerin Kseija Nam (24) hat bei Marina Marchel eine Perspektive gefunden und wird ebenfalls zur Friseurin umgeschult.

Für die Handwerksmeisterin ist eines ganz klar: "Ich möchte anderen eine Chance geben, genauso wie mir eine Chance gegeben wurde." Dass sie jemals die Leitung eines eigenen Friseursalons übernehmen würde, hätte sich die gebürtige Kasachin niemals träumen lassen: "Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen. Deswegen möchte ich anderen als gutes Beispiel vorangehen. Wenn man etwas schaffen will, dann schafft man es auch!"

"Aller Ehren wert"

Beeindruckt von diesem Engagement betont Fabian Bräutigam, Geschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen, bei der Übergabe der Nominierungsurkunde: "Dass Frau Marchel sowohl Flüchtlingen als auch Spätaussiedlern die Möglichkeit bietet, sich in ihrem Betrieb ausbilden oder umschulen zu lassen, ist keine Selbstverständlichkeit und aller Ehren wert."
Begleitet wurde er von Rüdiger Schnüttgen, Leiter Ausbildungswesen bei der HwK, und Catrin Hackenbracht von der Sparkasse Wittgenstein.

Wer den Ausbildungspreis 2019 gewinnt, wird am 20. September beim "Treffpunkt Handwerk" im bbz Arnsberg verraten. Den Siegern in den drei Kategorien winken jeweils 2000 Euro, gestiftet von den Sparkassen und Volksbanken in Südwestfalen sowie von der Signal Iduna. Die Nominierten können sich jeweils über 500 Euro von der IKK classic freuen.

Bei der Urkundenübergabe in Bad Berleburg gab es schon jetzt strahlende Gesichter: Auszubildende Tatjana Schafiew, Angestellte Sabine Bäcker, Geschäftsführer der Handwerkskammer Fabian Bräutigam, Marina Marchel, Friseurmeisterin und Inhaberin der Frisier-Zone, Catrin Hackenbracht von der Sparkasse Wittgenstein, Angestellte Anna Susenkov und Rüdiger Schnüttgen, Leiter Ausbildungswesen der HwK.